In einer kleinen Serie geben wir einige Tipps für bessere Meetings. Teil 1 beschäftigte sich mit der Vorbereitung von Sitzungen, heute geht es um die Durchführung und Nachbereitung.
Erfolgsfaktor Meeting-Leitung
Die Rolle des Leiters oder der Leiterin eines Meetings ist kaum zu unterschätzen für den Erfolg einer Sitzung. Sie verlangt, das Meeting und die Teilnehmer zu leiten und zu steuern. Gleichzeitig gibt es Meeting-Phasen, in denen diese Person ausschliesslich Moderator ist, also den Prozess begleitet ohne einzugreifen. Das kann leicht zum Balanceakt ohne Netz werden. Folgende Aufgaben muss diese Person mindestens übernehmen:
Wie jede Ansammlung von Menschen hat ein Meeting seine Regeln. Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder Sie überlegen sich im Voraus, wie man in der Sitzung zusammenarbeiten soll. Oder diese Regeln entstehen von selbst, durch Ausprobieren, Ausreizen und Gewohnheit. Hier bietet sich Chance, die Produktivität des Zusammenkommens zum ersten Mal zu erhöhen.
Was ist zu tun?
Überlegen Sie sich, wie sich die Menschen in Ihrem Meeting verhalten. Einige Anregungen unsererseits: Beginnen Sie immer pünktlich, warten Sie nicht auf Zuspätkommende. Machen Sie das unter Umständen auch in der Einladung schon klar. Alleine der Respekt gegenüber den Pünktlichen macht diese Regel notwendig.
Verbannen Sie Mobiltelefone. Solange Ihr Unternehmen nicht die Feuerwehr ist, dürfte es für jeden Anwesenden erträglich sein, eine Stunde auf das Telefon zu verzichten. Sollte es nicht gehen, definieren Sie Regeln, was passiert, wenn es klingelt: Z.B. verlässt der Angerufene der Raum und die Sitzung wird fortgeführt. Vereinbaren Sie mit den Teilnehmenden auch Regeln, wie mit Laptops umgegangen wird.
Sie sind verantwortlich für die Ziele. Das heisst, die Ziele müssen zu Beginn des Meetings kommuniziert werden und jedem Anwesenden (inklusive Ihnen!) klar sein: Wieso sind wir hier? Was wird nach dem Meeting anders sein? Was werden wir erreicht haben? Achten Sie in der Vorbereitung darauf, dass die geplanten Ziele und die zur Verfügung stehende Zeit irgendwie übereinstimmen. Entdecke ich als Sitzungsteilnehmer gleich zu Beginn, dass mein Traktandum sicherlich keinen Platz mehr hat, steht dem Dämmerschlaf nichts mehr im Wege.
Was ist zu tun?
Prüfen Sie die Realisierbarkeit der geplanten Agenda. Visualisieren Sie diese Agenda und die Ziele für jeden Anwesenden – entweder auf einem Whiteboard oder einem Flip Chart, so dass alle die Liste ständig vor Augen haben. Haken Sie während der Sitzung ab, was erreicht wurde und was noch aussteht. Das sensibilisiert das Zeitgefühl aller Anwesenden und nimmt sie stärker in die Pflicht, das Gelingen des Meetings zu unterstützen.
Während des Meetings ist es die Aufgabe des Moderators, die Zeit einzuhalten. Pünktlich aufzuhören ist nicht nur höflich und respektvoll den Anderen gegenüber, sondern vor allem ein Zeichen von Professionalität. Eine häufig auftretende Herausforderung dabei sind mäandernde Teilnehmer: Wie ein Fluss, der sich durch ein Gebirgstal frisst, schweifen die Teilnehmer ab, machen dort eine Kurve, gehen drüben in die Tiefe und blicken auch gerne mal zurück. Das kann berechtigt, aber für Sie nicht immer zielführend sein. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Wann und wie unterbreche ich einen Sprechenden, ohne ihm zu sehr auf den Schlips zu treten?
Was ist zu tun?
Führen Sie auf einem Flip Chart oder einem Whiteboard einen «Themenspeicher». Dort notieren Sie Punkte, die im Moment nicht zielführend sind, aber später erörtert werden müssen. Das erlaubt Ihnen, einen Vielredner kürzer zu halten: Sie unterbrechen ihn mit dem Hinweis, dass sein Thema wichtig ist und bei anderer Gelegenheit diskutiert werden muss. Sie halten seinen Input auf dem Flip Chart, dem Themenspeicher, fest. Das zeigt Ihre Wertschätzung gegenüber dem Sprechenden und versichert ihm, dass sein Anliegen nicht unter den Tisch fallen wird.
Die Sitzungsleitung muss die Diskussionsstränge sauber auseinanderhalten. Gerade bei Entscheidungs-Meetings sind im Grunde drei verschiedene Fragen zu klären: 1. Müssen wir etwas entscheiden oder können wir wie gehabt weiterfahren? 2. Was sind die Kriterien für unsere Entscheidungen? 3. Welche der möglichen Optionen wählen wir? In vielen Meetings werden diese Gesprächsebenen gnadenlos durcheinander gebracht – entsprechend vage bleibt alles. Einzelne Teilnehmer diskutieren Lösungen («Verwenden wir Google oder Bing in unserem Unternehmen?»), während andere Anwesende noch der Frage nachhängen, ob eine Corporate Suchmaschinen-Policy überhaupt notwendig ist. Was ist zu tun?
Strukturieren Sie die Diskussion im Voraus – überlegen Sie sich zu jedem Teil Fragen, die die Anwesenden besprechen sollen. Werfen Sie den Leuten nicht einfach ein Thema an den Kopf («Suchmaschinen»), sondern zerlegen Sie es in mundgerechte Stücke («Brauchen wir eine gemeinsame Entscheidung?», »Was sind die Kriterien?», «Welche Option wählen wir?»). Notieren Sie gemeinsam gefundenen Antworten und dokumentieren Sie die Ergebnisse – am besten für alle sichtbar auf einem Flip Chart oder einem Whiteboard.
Vielredner müssen in einem Meeting vielleicht an die etwas kürzere Leine genommen werden. Gleichzeitig werden in Ihrem Meeting aber Leute sitzen, die sich durch hartnäckiges Schweigen auszeichnen – aus welchen Gründen auch immer. Als Leiterin oder Leiter eines Meetings müssen Sie dafür sorgen, dass alle zu Wort kommen. Denn: Wieso haben Sie diese Leute sonst eingeladen?
Was ist zu tun?
Achten Sie als Moderator darauf, wer sich wie beteiligt. Fallen Ihnen stille Teilnehmer auf, sprechen Sie sie direkt an. Stellen Sie Fragen und beziehen Sie diese Leute in die Diskussion mit ein. Allenfalls hilft es, diese Voten später nochmals aufzugreifen und dadurch Wertschätzung auszudrücken und die Leute zu ermuntern, sich am Gespräch zu beteiligen.
Haben Sie weitere Tipps für gute Meetings? Wir freuen uns über Kommentare!
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